Die Chronik des Schützenvereins:
Der Schützenverein Wellingholzhausen kann in seiner langen Geschichte Könige bis ins Jahr 1745 nachweisen. Über die nachstehenden Links finden Sie alle Erwachsenen- und Kinderthröne des Traditionsvereins. Weiter sind dort Auflistungen unserer Präsidenten, Zapfenstreich-Ordensträger, Träger des Jungschützenpokals, sowie die Ulkumzug-Ordensträger aufgeführt. Neu ist das Archiv der jährlichen Jahresrückblicke ab dem Jahr 2008, sowie eine Auflistung unserer bisherigen Kreiskönige, Kreisköniginnen und Kreisjugendkönige. Die unten stehende Chronik "Von der Hase bis zur Uhle..." war unser Beitrag für die Festschrift anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Schützenkreises Grönegau im Jahr 2008.
Könige und Königinnen | Kinderkönige und -Königinnen | Präsidenten und Vizepräsidenten | Zapfenstreichorden | Jungschützenpokal | Ulkumzugorden | Kreiskönige/-königinnen
Jahresarchive: Rückblick 2008 | Rückblick 2009 | Rückblick 2010 | Rückblick 2011
Von der Hase bis zu Uhle... Der Schützenverein Wellingholzhausen
„Von der Hase
bis zur Uhle, nah dem Teutoburger Wald, feiern Wellings Schützenbrüder
und ein frohes Lied erschallt!“ Alljährlich singen auf ihrem Schützenfest
die Schützen aus Wellingholzhausen das Niedersachsenlied mit diesem umformulierten
Text.
Der Schützenverein Wellingholzhausen ist die älteste Vereinigung im
südwestlichen Stadtteil der Stadt Melle. Die genaue Historie würde
den Rahmen dieses Berichts sprengen. Trotzdem sollen hier kurze chronologische
Abrisse einen Überblick über die Historie des größten Schützenvereins
des Schützenkreises Grönegau geben.
Als der Schützenkreis Grönegau im Jahr 1958 gegründet wurde,
feierten die Schützen aus dem Beutlingsdorf schon zum 8. mal nach Ende
des 2. Weltkrieges ihr Schützenfest. Das Schützenwesen in Wellingholzhausen
reicht aber, wie im gesamten Grönegau, mehrere hundert Jahre weiter zurück.
Im Jahr 1765 berichtete der Droste des Amtes Grönenberg, dass der noch
in allen Kirchspielen des Amtes vorhandene Silbervogel mit der Jahreszahl 1550
gezeichnet ist. Dieser Silbervogel wurde dem besten Schützen als Zeichen
umgehangen. Somit wird auch in Wellingholzhausen ein solcher Vogel vorhanden
gewesen sein. Leider ist dieser aber, wie auch die anderen Silbervögel
aus den anderen Gemeinden der heutigen Stadt Melle nicht mehr aufzufinden. Es
ist aber davon auszugehen, dass es noch viel eher als 1550 auch im Grönegau
Schützengemeinschaften gab, die ihre Heimatorte vor räuberischen Übergriffen
schützten.
Während des 30-jährigen Krieges von 1618-1648 verlor der Selbstschutz
der kleineren Städte und Ortschaften allerdings seine Wirkung, so auch
in Wellingholzhausen und dem gesamten Grönegau.
Ob sich nach dem westfälischen Frieden zu Osnabrück und Münster
sofort wieder Schützengemeinschaften bildeten ist nicht bewiesen.
Nachweislich wurde aber mindestens ab 1651 in Wellingholzhausen wieder auf den
Vogel geschossen.
Ein Verzeichnis aus dem Amt Grönenberg besagt für das Kirchspiel Wellingholzhausen
(hier in original historischer Schreibweise aufgeführt):
Anno 1651 Ist der
Vogel zu rechter Zeit aufgerichtet und selbigst Tages bey Sonnenschein abgeschossen,
Anno 1652 gleichfalst der Vogel gebührendt aufgerichtet und bey Sonnenschein
selbiges Tages abgeschossen,
Anno 1653 Ebenmessig der Vogel zu rechter Zeit aufgerichtet und selbigen Tages
bey Sonnenschein abgeschossen,
Anno 1654 Imgleichen der Vogel gebührendt aufgerichtet, auch selbigen Tags
bey Sonnenschein abgeschossen,
Anno 1655 Ist zwar der Vogel aufgerichtet aber nicht selbige, sondern erst folgende
Tages abgeschossen,
Anno 1656 Ist der Vogel aufgerichtet auch derselbe Tages bey Sonnenschein abgeschossen
worden.
1655 wurde dem Kirchspiel
Wellingholzhausen aufgrund des nicht pünktlich abgeschossenen Vogels eine
Strafe von 24 Taler (2 Fuder Strafhafer) auferlegt: „...2 Fuder Strafhabern...24
Thaler“ - Obwohl der Bischof ausdrücklich angeordnet hatte, zu den
Strafen kein "Ambtgelt oder Zuschläge" zu fordern, hatten "des
Kerspels Wellingholzhausen Eingesessene" wegen "nicht erstentags abschossenen
Vogels 3 Fuder Habern", das entspricht 36 Talern, entrichten sollen. Die
Wellingholzhausener Schützen richteten an den Bischof ein Bittgesuch auf
Erlass der Strafe. Darauf wurde der Amtrentmeister zum Gröneberg zur Rechenschaft
gezogen, die Strafe von 24 Talern aber nicht erlassen.
Diese Gegebenheit wurde im Jahr 1986 durch die Verleihung der Sportplakette
durch den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aktenkundig
und somit feierte man im Jahr 2005 das 350-jährige Jubiläum mit vielen
Gästen aus Wellingholzhausen und der näheren und weiteren Umgebung,
umrahmt mit einem großen Sternmarsch und einem Fest im und am „Haus
des Gastes“.
Erster namentlich nachweisbarer Schützenkönig ist im Jahr 1745 der
Bauer Wortmann aus Peingdorf. Die älteste Königsplakette, die der
Schützenverein noch besitzt, stammt vom 25. Juni 1850. Der damalige König
hieß Heinrich Dütting. In welchen Abständen das Königsschießen
durchgeführt wurde ist nicht bekannt. Am 15.06.1936 berichtet Rektor Niebrügge
von einer Königsplakette in Form eines silbernen Kreuzes mit dem Namen
Meyer zu Himmern, die vor einigen Jahren wohl verloren ging. Ob es sich hierbei
um die Königsplakette aus dem Jahr 1763 handelte ist nicht bekannt.
Im Jahr 1891 wurde nach siebenjähriger Pause wieder ein Schützenfest
gefeiert. Im gleichen Jahr begründet sich der Verein und gibt sich eine
Satzung.
Am14. Februar 1892 feierte der Schützenverein seinen ersten Schützenball
im Saal Humann. Im gleichen Jahr wird der Platz bei Bredenstein zum Domizil
der Schützen auserwählt und ausgerodet.
Im Jahr 1896 wurde von Seiten des Kaplan Jansen versucht, das Schützenfest
zu verhindern. Der damalige König Heinrich III. Wessler wurde von den Schützenfestgegnern
überzeugt, in diesem Jahr ebenfalls nicht mitzufeiern. Auf der Generalversammlung
am 9. August wurde dann aber mit großer Mehrheit entschieden, dass das
Fest doch stattfinden sollte. Am 16.August fand unter großer Beteiligung
eine Parade vor der Königin Maria III. Möller statt. Sie erklärte
sich bereit, falls der König zurücktreten sollte, die Regentschaft
zu übernehmen. König Heinrich trat auch zurück und so wurde am
29. und 30. August unter der Herrschaft ihrer Majestät Maria das Schützenfest
unter großer Beteiligung gefeiert.
1912 wurde die damalige Schützenküche am Beutling errichtet. Diese
wurde nach dem Umzug zum Vornholts Busch 1957 abgebrochen. Das Holzhaus, in
dem sich der Schießstand befand, steht noch heute an gleicher Stelle und
dient der Gastwirtschaft Bredenstein als Lagerraum.
Im Jahr 1914 wurde dann das letzte Schützenfest vor Ausbruch des 1. Weltkrieges
gefeiert. Erst im Jahr 1920 feierten die Wellinger Schützen wieder ein
Fest.
1936 fand erstmals ein Ulkumzug statt. Damals noch klein aufgezogen vom Kegelclub
Grönenberg, kann man sich heute ein Schützenfest in Wellingholzhausen
nicht mehr ohne dieses Großereignis am Montagmorgen vorstellen. 1997 ist
an Heinrich Vögeding erstmals der Ulkumzugorden verliehen worden. Dieser
Orden wird seit dem jedes Jahr an verdiente Teilnehmer und Mitorganisatoren
verliehen.
Ebenfalls im Jahr 1936 erhielt der Schützenverein eine neue Fahne, die
vom Kunstzeichner Heinrich Schröder entworfen und von den Damen des Vereins
in monatelanger Stickarbeit ausgeführt wurde. Die älteste bekannte
Fahne ist die Revolutionsfahne aus dem Jahr 1848, die 1850 vom Schützenverein
übernommen wurde. Diese wurde 1899 durch eine neue ersetzt.
Laut Reichsgesetz wurde den Vereinen angeordnet, neben den Vereinsfahnen eine
zweite Fahne des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen bei Festzügen
mitzuführen. Auf dem Schützenfest 1938 bekam diese Fahne ihre Weihe.
Dieses Fest war zugleich das letzte vor Ausbruch des 2. Weltkrieges. Die letzte
Mitgliederversammlung fand 1942 statt.
Aufgrund des Verbotes der alliierten Besatzungstruppen in Deutschland ruhte
das Schützenwesen in Wellingholzhausen bis 1950. Am 11. Februar 1950 versammelte
sich dann wieder erstmals der Vorstand des Vereins. Am 5. März fand die
erste Mitgliederversammlung statt, die sich geschlossen dafür aussprach,
wieder ein Schützenfest zu feiern. Erstmals wurde auch ein Kinderschützenfest
gefeiert. Bereits 1938 wurde schon ein Jugendschützenkönig ausgeschossen.
Weil die alte Traditionsfahne nach Ende des Krieges nicht mehr aufzufinden war,
wurde eine neue in Auftrag gegeben. Im Jahre 1951 fand man die verschollene
Fahne wieder. Auf der Vorstandssitzung am 27. September ist diese feierlich
enthüllt worden. Seit diesem Jahr werden auf den eigenen Schützenfesten
beide Fahnen mitgeführt, auf den Umzügen der befreundeten Vereine
die neue.
Im Jahr 1954 nennt sich der Schützenverein um in „Schützenverein
der Samtgemeinde Wellingholzhausen“. Diesen Namen trägt der Verein
bis zur Gebietsreform 1971/72. Im Jahr 1956 beschließt die Generalversammlung,
ein neues Schützenhaus an „Vornholts Busch“ zu errichten. 1957
wurde das erste Schützenfest am neuen Standort gefeiert. Als erster König
ging Heinrich Selhöfer in die Annalen ein.
Kurzzeitig besaß der Schützenverein auch eine eigene „Staatskarosse“.
Im Jahr 1961 kaufte man eine Landauer-Kutsche mit aufklappbarem Verdeck, um
unabhängig von Leihkutschen zu sein.
1966 drehte der NDR einen Film über die Samtgemeinde Wellingholzhausen,
mit dem Titel „Neun Dörfer – eine Gemeinde“. Auch die
Schützen wurden auf Zelluloid gebannt.
Im Herbst 1967 fanden sich einige Frauen zusammen und gründeten eine eigene
Damenschießgruppe. Der damalige Präsident Franz Uhlemann gab ihnen
den Namen „Diana“. Man traf sich einmal im Monat, um zu schießen
und zu klönen. Es wurden auch Kontakte zu Nachbarvereinen geknüpft.
Durch regelmäßiges Üben wurden die Leistungen besser, so dass
die Damen auch an auswärtigen Pokalschießen, Vereins- und Kreismeisterschaften
teilnahmen. Vom Gründungsjahr bis 1986 leitete Elfriede Lemme die Schießgruppe.
Ihr folgten 1986 bis 1988 Inge Bockrath und seit 1988 Monika Knemöller.
Seit 1963 gab es bereits Pläne zur Erweiterung des Schützenhauses.
Es sollte aber noch bis 1978 dauern, bis dieser mittlerweile geänderte
Plan durch die Generalversammlung beschlossen wurde. Im gleichen Jahr wird der
Schützenverein im Vereinsregister als e.V. (eingetragener Verein) eingetragen.
1980 konnte der neue Luftgewehrstand bezogen werden. Ein Jahr später war
das Gesamtprojekt zu nutzen.
Ebenfalls 1981 führte der Schützenverein sein Vereinswappen ein, dass
das Wellingholzhausener Ortswappen mit dem Schriftzusatz „Schützenverein
e.V.“ zeigt.
Im gleichen Jahr erhielt Heinrich Röhr als erster Schütze den Zapfenstreichorden
verliehen. Dieser Orden kann mit dem Aachener Karnevalsorden "Wider den
tierischen Ernst" verglichen werden.
Der Kommersabend wird als Herrenabend begangen, wo jedes Jahr mittlerweile über
tausend Gästen die Lachmuskeln strapaziert werden. Seit 1993 wird für
verdiente Jungschützen alljährlich der Jungschützenpokal verliehen.
Uwe Keitsch war der erste, der den Humpen mit Gerstensaft füllen lassen
konnte.
Im Jahr 1990 feierte die Ortschaft Wellingholzhausen ihr 900-jähriges Jubiläum.
An dem mehrere Kilometer langen Festumzug mit ca. 20.000 Zaungästen an
den Straßen beteiligte sich der Schützenverein mit historischen Soldatenuniformen.
Im gleichen Jahr wird mit Hans-Hermann Wessjohann erstmals ein Kaiser ausgeschossen.
Schon 25 Jahre vorher schoss er die Krone des hölzernen Adlers ab.
29 Jahre nach ihrer ersten Krönung zur Königin im Schützenstaat
Wellingholzhausen wurde Hedwig Overbeck im Jahr 2003, an der Seite von Alfons
Hellige, zur ersten Kaiserin ausgerufen.
Am 17.11.1995 feierten die Schützen die Einweihung des modernisierten Schießstandes.
Als neueste Baumaßnahme beschloss die Jahreshauptversammlung am 14. März
2008 die Aufstockung des 51 Jahre alten Schützenhauses. Am Samstag, den
12. Juli ist mit dem Rückbau des alten Dachstuhl begonnen worden. Am 2.
August feierte der Verein das Richtfest. Mit der Fertigstellung der Erweiterung
stehen dem Verein somit weitere räumliche Möglichkeiten im Obergeschoss
bereit. Außerdem wurde der Gaststättenbereich renoviert, mit neuen
Fenstern versehen und der Kleinkaliber-Schießstand bekommt eine neue Belüftung.
Mit dem Luftgewehrstand und dem 50m-Kleinkaliberstand mit modernster Anzeigentechnik
bestehen beste Trainigsmöglichkeiten. Computertechnik ist aber nicht nur
im heutigen Schießsport des Vereins allgegenwärtig. Auch im Internet
präsentiert sich der Traditionsverein. Unter der Adresse www.schuetzenverein-wellingholzhausen.de
sind aktuelle und historische Daten abrufbar. Somit ist der Schützenverein
Wellingholzhausen im Schützenkreis Grönegau auch für die Zukunft
gewappnet.